Sie sind hier: Startseite Über CASSIS Prof. Ulrich Schlie Geographie und Gesamtstrategie - Deutsche Außen- und Sicherheitspolitik seit 1990 in zeitgeschichtlicher Perspektive

Geographie und Gesamtstrategie - Deutsche Außen- und Sicherheitspolitik seit 1990 in zeitgeschichtlicher Perspektive

Außenpolitik ist die Summe von Geschichte, Geographie und den Erfahrungen eines Landes. Die geographische Position in der Mitte Europas als hervortretendes Charakteristikum der strategischen Lage des Landes verbindet das heutige wiedervereinigte Deutschland mit der alten Bundesrepublik. Das Jahr 1990 hat Deutschland eine „zweite Chance“ gebracht. Mit dem Glücksfall der Wiedervereinigung hat sich Deutschlands geografische und politische Lage entscheidend verbessert. Das zentrale geopolitische Ergebnis der dadurch ausgelösten Machtverschiebung besteht darin, dass die historische Mittellage vollumfänglich zur bestimmenden Grundbedingung der deutschen Außenpolitik ist; die Mitte gewissermaßen vom Westen her besetzt worden. Die durch die europäischen Revolutionen des Jahres 1989 ermöglichte Wiedervereinigung Europas, die Aufnahme eines Großteil der ost-mitteleuropäischen, ost-europäischen und südosteuropäischen Reformstaaten in die euro-atlantischen Strukturen, das Ringen um ein zwischen Kooperation und wachsamer Prävention schwankendes Verhältnis zu Russland die seit Anfang der 1990er Jahre anhaltenden Tendenzen zu einem stärkeren sicherheitspolitischen Zusammenschluss der Europäer in Gestalt einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik und die damit verbundenen Fragen nach der Arbeitsteilung und dem künftigen Zusammenhalt in der atlantischen Gemeinschaft haben ihren Ausgangspunkt in den Ereignissen genommen, die 1989 zum Zusammenbruch der Ordnung von Jalta und Potsdam geführt haben.

 

In dem Forschungsprojekt "Geographie und Gesamtstrategie - Deutsche Außen- und Sicherheitspolitik seit 1990 in zeitgeschichtlicher Perspektive" wird vor diesem Hintergrund nach den neuen Aufgaben für die deutsche Außenpolitik gefragt, insbesondere nach den Prioritäten und dem Gestaltungsanspruch Deutschlands. Die Wahrnehmung der deutschen Außenpolitik durch seine Nachbarn und Partner, die Prägungen durch Geschichte und Geographie, die Strukturfragen der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik und die Frage nach der Verwirklichung eines gesamtstrategischen Ansatzes, die Einheit von Diplomatie und Militärstrategie, stehen dabei im Zentrum. Im Rahmen des Projektes wird insbesondere die Quellenbasis zur deutschen Außenpolitik durch Interviews und durch die Erschließung neuer Quellen erweitert, öffentliche Zeitzeugengespräche mit maßgeblichen Akteuren der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik in Veranstaltungen an der Universität Bonn geführt und mehrere Dissertationsprojekte zu Teilaspekten des Forschungsvorhabens auf den Weg gebracht. Als Abschluss des Projektes wird die Vorlage einer umfassenden Monographie und eines elektronischen Quellen-Datenwerks zur Geschichte der deutschen Außenpolitik seit 1990 bis zum Jahr 2023 angestrebt.

Artikelaktionen