Prof. Dr. Friedrich Kießling betont, dass für ein tiefergehendes Verständnis von Adenauers Leben eine Betrachtung des Kaiserreichs und der Weimarer Republik unerlässlich ist. Adenauer erlebte in seinem Leben drei unterschiedliche Systeme. Aus jedem von ihnen zog er seine Lehren. Konrad Adenauer war für seine Zeit ein innovativer und progressiver Politiker. Insbesondere als Oberbürgermeister von Köln war er ein Mann, welcher viele große Projekte vorangetrieben hat, so Prof. Dr. Friedrich Kießling.
In der Weimarer Republik habe Adenauer viel politische Erfahrung sammeln können. Aus diesen Erfahrungen habe er einige Lehren gezogen. So rühre seine grundsätzliche Abneigung Parlamenten gegenüber aus dieser Zeit. Ebenso hielt es Adenauer, laut Prof. Dr. Friedrich Kießling, für unverzichtbar als Demokrat nicht in seinem Lager zu verharren. So war bereits früh nach der Gründung Mitglied der CDU geworden, welche christliche Politiker vereinigte und so Lager zusammenführte.
Auch die Gewalterfahrungen aus der Endphase der Weimarer Republik prägten Adenauer maßgeblich. Prof. Dr. Friedrich Kießling zufolge rührt daher die Furchtlosigkeit Adenauers gegenüber Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner.
Schließlich beobachtet Prof. Dr. Friedrich Kießling eine Wandlung in Adenauers Demokratieverständnis. Vor dem Nationalsozialismus habe er diese nicht mit den Rechten und Freiheiten des Einzelnen begründet. Nach der NS-Zeit änderte sich dies jedoch.