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Hans-Morgenthau-Stipendium

„Hans-Morgenthau-Stipendium für internationale Politik“ der Konrad-Adenauer-Stiftung zur Förderung des Studentenaustausches zwischen der Universität Bonn und dem IDC Herzliya.

Um Hans Morgenthaus grundsätzliche Lebensleistung, sein akademisches Oeuvre sowie sein politisches Wirken zu ehren, befindet sich zurzeit ein Stipendienprogramm der Konrad-Adenauer-Stiftung namens „Hans-Morgenthau-Stipendium für internationale Politik“ im Aufbau. Es soll den Austausch zwischen Studenten der Universität Bonn und dem IDC Herzliya befördern und wird zum Sommersemester 2020 starten. Weitere Informationen werden in Kürze online gestellt.

Hans Joachim Morgenthau - Leben und Wirken

Hans Joachim Morgenthau (1904 im fränkischen Coburg geboren, 1980 in New York verstorben) war ein deutsch-jüdischer Politikwissenschaftler und Jurist, der den Repressionen der NS-Diktatur entfliehen und in die USA emigrieren musste (wo er 1943 Staatsbürger wurde). Er studierte zwischen 1923 und 1927 Philosophie und Jura in Frankfurt a.M., München und Berlin, verbrachte sein Referendariat in Frankfurt, promovierte sich 1929 in Völkerrecht und war im Anschluss als Richter am Frankfurter Arbeitsgericht tätig.

Ab 1932 forschte Morgenthau als Privatdozent für Öffentliches Recht an der Universität Genf und wendete sich nach seiner aufgrund der Machtergreifung der Nationalsozialisten und des Verlusts seiner Richterstelle in Frankfurt (nationalsozialistisches Berufsverbots für jüdische Deutsche) erzwungenen Abkehr von seinem Heimatland im Anschluss an die Migration in die Vereinigten Staaten vollumfänglich der Politikwissenschaft. Schon sein zweites, noch in Genf verfasstes Buch aus dem Jahre 1933 beschäftigte sich allerdings bereits primär mit dem Politischen (La notion du „politique“). Morgenthau forschte und lehrte im Rahmen von über 20 Gastprofessuren als Politikwissenschaftler an führenden amerikanischen Universitäten (bspw. Princeton University, Yale University, Harvard University, University of Chicago, Columbia University oder Berkeley University).

Mit seinem Hauptwerk Politics Among Nations. The Struggle for Power and Peace (1948, dt.: Macht und Frieden. Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik) gilt Morgenthau heute als „founding father“ (Hoffmann in Thompson/Clinton 2005: xvii) der politikwissenschaftlichen Disziplin der Internationalen Beziehungen (IB), dessen intellektueller Einfluss auf die Politikwissenschaft und darüber hinaus kaum überschätzt werden kann. Seine Gedanken zur Bedeutung von Macht und der Signifikanz ihres Gleichgewichts in den internationalen Beziehungen (Balance of Power), zur Rolle der Staatsführung als Mittler zwischen Innen und Außen bei Wahrung des nationalen Interesses oder seine Warnung vor übersteigertem Nationalismus und übermäßiger Ideologisierung von Politik als kriegsfördernden Faktoren sind heute kanonisch (und angesichts der globalen Entwicklungen hochaktuell).

Sein Opus Magnum gilt als eines der am meisten zitierten Werke der IB (Jacobs 2003: 35). Eine Untersuchung der Memoiren von 30 führenden IB-Wissenschaftlern ergab, dass Hans Morgenthau mit hohem Abstand der am meisten genannte Name in den Lebenserinnerungen dieser führenden Denker ist. (Kruzel in Mearsheimer 1995: 47) Trotz des Entstehens neuer IB-Theorien ist festzuhalten, dass Teile seines Buches Politics Among Nations “have become legend among students of international relations” (Gallarotti 2010: 142).

Die Liste von Morgenthau Publikationen ist lang und zeigt sein vielschichtiges Schaffen (https://sites.google.com/site/ymiya181/). Die Blüte des Neoklassischen Realismus in den IB in den letzten Jahren belegt die akademische „Wiederentdeckung“ Morgenthaus sowie die fortlaufende Aktualität und Kontinuität seiner Überlegungen nachweisbar.

Morgenthau war Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland. Er war Mitglied u.a. der prestigereichen Organisationen American Academy of Arts and Sciences sowie der American Philosophical Society. Ebenso wirkte er als langjähriger Trustee des Carnegie Councils for Ethics in International Affairs. Zu seinem Freundeskreis zählten u.a. Hannah Arendt, Henry Kissinger, John F. Kennedy, Hans Kelsen und Reinhold Niebuhr.

Über seine politischen, akademischen und privaten Kontakte engagierte sich Morgenthau sehr für die Möglichkeit der Emigration sowjetischer Juden nach Israel sowie gegen den Vietnam-Krieg. Ein „Stolperstein“ am Casimirianum Coburg erinnert heute an ihn. 

 

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