Die militärische Intervention der USA im Iran stelle keine neue Form des amerikanischen Imperialismus dar, so die Einschätzung von Dr. habil. Hendrik Ohnesorge. Zwar stehe das Vorgehen der Amerikaner im Widerspruch zu Trumps ursprünglicher Ankündigung, sich aus Konflikten herauszuhalten und vor allem heimische Probleme zu lösen – was auch seinen Ambitionen auf einen Friedensnobelpreis einen Dämpfer versetzen dürfte –, doch füge es sich in die US-Außenpolitik der letzten Jahrzehnte ein.
Man wolle zwar insbesondere in den Bereichen Wirtschaft und Migration „America First“ durchsetzen, ein vollständiger Rückzug aus der Weltpolitik sei jedoch kaum denkbar.
Dr. habil. Hendrik Ohnesorge bewertet zudem die Taktik des deutschen Kanzlers im Umgang mit US-Präsident Trump positiv. Dieser sei sich bewusst, dass Ratschläge und erhobene Zeigefinger in Washington auf taube Ohren stoßen, und verzichte daher im Vorfeld auf provokante Äußerungen. Durch dieses zurückhaltende Vorgehen garantiere der Kanzler, dass man bei dem Besuch ernsthaft ins Gespräch kommen könne, ohne vorab für vermeidbare Konflikte zu sorgen.
Gleichzeitig habe der Kanzler erkannt, dass das Völkerrecht nur aus einer Position der Stärke heraus verteidigt werden könne. In Regierungskreisen sei man sich klargeworden, dass Europa und Deutschland die „Sprache der Macht“ lernen müssten, um weiterhin an entscheidenden Gesprächen beteiligt zu bleiben und das Völkerrecht glaubwürdig hochhalten zu können.