08. April 2026

Policy Brief zur digitalen Abhängigkeit der EU Policy Brief zur digitalen Abhängigkeit der EU

Im Rahmen des Projekts „Digital Dependence Index 2.0“ in Zusammenarbeit mit dem Vodafone Institut veröffentlicht das CASSIS das erste Policy Brief „Digital trade trap? A wake-up call for the EU’s Digital Decade“ das zeigt, dass die EU trotz scheinbarem digitalen Handelsüberschuss stark von den USA und China abhängig ist und strukturelle Schwächen hat, die ihre digitale Souveränität gefährden. 

Policy Brief: Digital trade trap? A wake-up call for the EU's Digital Decade
Policy Brief: Digital trade trap? A wake-up call for the EU's Digital Decade © CASSIS
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Die Studie zeigt, dass das starke Wachstum im digitalen Handel eine solide Grundlage zu sein scheint, um die von der Europäischen Kommission festgelegten Ziele für ihr „Digitales Jahrzehnt“ zu erreichen. Bei genauerer Analyse treten jedoch verborgene Schwächen zutage, die künftige Fortschritte gefährden können: Irlands unverhältnismäßiger Einfluss auf die digitale Handelsbilanz des Kontinents. Bei genauerer Betrachtung handelt es sich beim digitalen Handelsüberschuss Europas in Wirklichkeit um ein digitales Handelsdefizit.

Aufgrund der unverhältnismäßig großen Präsenz von US-Technologiekonzernen in Irland und ihres kostengünstigen Zugangs zu den europäischen Märkten verzerrt dieser „Irland-Effekt“ die europäischen Handelsstatistiken und schränkt die digitale Autonomie ein. Ohne US-Unternehmen in Irland würde die Europäische Union ein enormes digitales Defizit aufweisen. „Die Kosten dieses Defizits für Europa summieren sich zwischen 2022 und 2024 auf über 350 Milliarden US-Dollar, das entspricht annähernd 40 % der geplanten Verteidigungsausgaben bis 2030“, sagt Junior-Prof. Dr. Maximilian Mayer, der das Vorhaben am CASSIS koordiniert und Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich „Individuals & Societies“ der Universität Bonn ist.

Darüber hinaus hebt die Studie die übermäßige Abhängigkeit Europas von China im Handel mit digitalen Gütern hervor. Anhand dieses erheblichen Ungleichgewichtes und des „Irland-Effektes“ werde deutlich, dass Europa zwischen den digitalen Giganten China und USA eingezwängt ist. Diese Realität stellt Europas wirtschaftliche Gewinne in Frage, erhöht seine geopolitische Verwundbarkeit und schränkt seine digitale Autonomie ein, so die Analyse.

Das Autorenteam empfiehlt der Europäischen Kommission deshalb, die europäische Fertigungsindustrie und Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken, die Abhängigkeiten im Handel mit digitalen Gütern gegenüber China weiter zu verringern sowie eine politische Sprache zu verwenden, die die Autonomie und Souveränität als gemeinsame Ziele definiert und neue vielseitige Technologiepartnerschaften mit Partnern aus dem öffentlichen und privaten Sektor fördert.

„Die Analyse zeigt: Europas digitale Abhängigkeiten sind größer, als es die Statistik vermuten lässt“, sagt Michael Jungwirth, Director Public Policy & External Affairs Vodafone Deutschland und Public Policy Director Vodafone Group. „Wir brauchen jetzt eine kohärente Industrie‑ und Handelspolitik, die die digitale Resilienz wirklich stärkt - für ein wirtschaftlich und geopolitisch souveränes Europa.“

Zum Policy Brief gelangen Sie hier.

Prof. Dr. Maximilian Mayer
Junior-Professor for International Relations and Global Politics of Technology
Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) 
Universität Bonn
Tel. +49 (0)228/73 5640
E-Mail: maximilian.mayer@uni-bonn.de 

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