Weber machte deutlich, dass selbst ohne eine militärische Übernahme durch die USA die NATO erheblichen Schaden genommen habe. Das Vertrauen, das die Grundlage des Bündnisses bilde, sei in weiten Teilen verloren gegangen. Eine militärische Auseinandersetzung zwischen Europa und den Vereinigten Staaten halte Weber zwar für unwahrscheinlich, da diese aus europäischer Sicht kaum Aussicht auf Erfolg hätte, dennoch stelle die Krise ein ernstzunehmendes strategisches Problem dar.
Eine mögliche NATO-Mission auf Grönland bewertet Dr. Weber kritisch. Zwar könnte eine solche Initiative signalisieren, dass Grönland strategisch wichtig sei, gleichzeitig bestehe jedoch die Gefahr, dass die Operation letztlich unter amerikanischem Kommando stünde, was kontraproduktiv für europäische Interessen wäre.
Weber relativierte zudem die von Trump heraufbeschworene Gefahr durch China und Russland. Nach seiner Einschätzung handele es sich dabei um eine politisch motivierte Fantasie des US-Präsidenten. Tatsächlich hätten die Vereinigten Staaten Entwicklungen in der Arktis verschlafen und ihre Militärpräsenz auf Grönland erheblich reduziert. Niemand hindere sie daran, diese Präsenz wieder auszubauen.
Nichtsdestotrotz sei das Interesse Trumps an Grönland real und handele weniger von geopolitischen Bedrohungsanalysen als von ökonomischen und strategischen Motiven. Die dortigen Bodenschätze und der Wunsch nach vollständiger Dominanz in der eigenen Einflusszone seien die treibenden Faktoren.
Abschließend plädierte Dr. Weber für eine klare und nüchterne europäische Position: Europa müsse die Bedeutung Grönlands anerkennen und eigene Strategien entwickeln, ohne sich in kontraproduktive Abhängigkeiten von den Vereinigten Staaten zu begeben. Nur so lasse sich das Gleichgewicht zwischen Kooperation und eigenständiger Handlungsfähigkeit wahren.