Ein Freispruch Marine Le Pens sei angesichts der erdrückenden Beweislast sehr unwahrscheinlich, so die Prognose von Dr. Landry Charrier. Die französische Justiz lasse sich weder vom Namen noch von der Rolle beeindrucken, die eine angeklagte Person zuvor gespielt habe. Dies habe bereits der Fall Sarkozy gezeigt. Dass Marine Le Pen 2027 zur Wahl antreten könne, sei folglich sehr unwahrscheinlich.
Dies bedeute jedoch nicht das Ende des rechten Rassemblement National, so Dr. Landry Charrier. Der derzeitige Parteivorsitzende Jordan Bardella nutze die Zeit bis zur Wahl 2027, um durch das Land zu reisen, und erreiche derzeit hohe Zustimmungswerte. Dr. Charrier betonte, dass eine enge Zusammenarbeit mit der MAGA-Bewegung des US-Präsidenten eher unwahrscheinlich sei. Eine grundlegende Skepsis gegenüber den USA sei hierfür ausschlaggebend. Dennoch bestünden Kontakte in die Vereinigten Staaten, etwa zur Heritage Foundation oder zum US-Botschafter in Frankreich.
Die größte Unterstützung für Bardella komme jedoch aus dem Inland, so Dr. Landry Charrier weiter. Der Medienunternehmer und Milliardär Vincent Bolloré habe es sich zum Ziel gesetzt, den Rassemblement National in den Élysée-Palast zu bringen.
Gleichzeitig betonte Dr. Charrier, dass ein Wahlsieg Jordan Bardellas keineswegs garantiert sei. Die französische Präsidentschaftswahl folge einer eigenen Logik und sei stark abhängig von aktuellen Entwicklungen und Ereignissen, wie etwa dem Ausbruch des Ukrainekriegs oder dem kurzfristigen Eintritt eines Kandidaten in das Rennen um das Präsidentenamt. Zudem müssten sich Kandidaten in Experteninterviews bewähren. Bardellas Fähigkeit, diese zu bestehen, werde ihm regelmäßig abgesprochen; diesen Vorwurf deute er derzeit jedoch als Ausdruck einer vermeintlichen Arroganz der Eliten um. Der Ausgang der Präsidentschaftswahl bleibe daher weiterhin offen.