Das iranische Regime habe durch die gewaltsame Niederschlagung der Proteste seine Legitimität vollständig verspielt. Die jüngsten Angriffe seien mit den Ereignissen des Vorjahres vergleichbar: Auch dieses Mal sei die Entscheidung dazu trotz laufender Verhandlungen über das iranische Atomprogramm bewusst herbeigeführt worden.
Problematisch erscheint laut Dr. Joachim Weber vor allem, dass die USA und Israel primär die Zerstörung iranischer Militärkapazitäten anstrebten, ohne dabei ein tragfähiges Konzept für die Zeit danach zu verfolgen. Es gehe vorrangig um eine „machtpolitische Flurreinigung“, an deren Ende Israel als unangefochtene Regionalmacht stünde. Eine ernsthafte Chance für einen nachhaltigen Regimewechsel sieht Dr. Weber nicht; es fehle an internen Strukturen, die eine entsprechende Bewegung tragen und einen langfristigen Wandel absichern könnten. Er vergleicht die Situation daher mit der Intervention in Venezuela, wo ebenfalls kein nachhaltiger politischer Umbruch habe erzielt werden können.
Einen großflächigen Krieg im Nahen Osten hält Dr. Weber für unwahrscheinlich, da sowohl die Stellvertreter als auch die Verbündeten des Irans entweder zu geschwächt oder nicht willens seien, aktiv zu intervenieren. Es werde letztlich darauf hinauslaufen, dass die militärischen Kapazitäten des Irans zerstört werden – wobei die Leidtragenden in erster Linie die Bürgerinnen und Bürger des Landes sein dürften.