Jordan Bardella versuche, dem Rassemblement National, dem er vorsteht, ein deutlich gemäßigteres und regierungsfähiges Image zu geben. Dieser ruhige und moderne Auftritt dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Partei weiterhin ein tiefgreifend nationalistisches und teilweise radikales Programm verfolge.
Besonders kritisch sei Bardellas Plan für ein großes Referendum zur Einwanderungspolitik. Dahinter stehe das Konzept der „préférence nationale“ („nationale Priorität“): Französische Staatsbürger sollen etwa bei Sozialleistungen, Jobs oder Wohnraum bevorzugt werden. Gleichzeitig wolle der RN zentrale europäische Rechtsprinzipien schwächen, indem nationales Recht über EU-Recht gestellt werde. Charrier warnt, dass dadurch rechtsstaatliche und demokratische Kontrollmechanismen ausgehebelt werden könnten.
Außerdem setze Bardella strategisch stark auf Kommunikation und Inszenierung. Er wirke jünger, moderner und weniger aggressiv als frühere Parteifiguren wie Jean-Marie Le Pen. Dadurch erreiche der RN inzwischen auch Wählergruppen aus der politischen Mitte, die früher Distanz zur Partei gehalten hätten. Die ideologischen Grundlinien der Partei hätten sich trotz des neuen Auftretens aber nicht grundlegend verändert.
Auch außenpolitisch sieht Charrier Risiken. Er befürchtet, dass ein von Bardella geführtes Frankreich die deutsch-französische Zusammenarbeit schwächen könnte. Der RN denke europäische Politik stärker in Kategorien nationaler Machtinteressen und weniger als gemeinsames Integrationsprojekt. Das könne Spannungen innerhalb der EU verschärfen und die politische Stabilität Europas beeinträchtigen.