Prof. Dr. Andreas Heinemann-Grüder betonte, Putin bespiele zwei parallele Realitäten. Zum einen wolle dieser das Verhandlungsfenster mit den USA nicht verschließen, da er hoffe, dass US-Präsident Donald Trump ihm „doch die Ukraine auf dem Tablett serviert". Zum anderen zeigte sich der russische Präsident weiterhin siegesgewiss. Putin sehe sich auf der „Siegerstraße", so Prof. Heinemann-Grüder weiter.
Weiterhin sei eine Inkohärenz in den Begründungen für den russischen Angriffskrieges auf die Ukraine zu erkennen. Würde man dieselben Maßstäbe, die Putin auf die Ukraine anwende, auf Russland übertragen, so könne man ein Interventionsrecht ableiten. Diese Unstimmigkeiten spielten für Putin jedoch kaum eine Rolle, so Prof. Heinemann-Grüder weiter.
Die Legitimation für den Angriffskrieg sei nicht länger die Bevölkerung, Normen oder das Völkerrecht, sondern die Geschichte. Putin wolle das russische Großreich – die Kiewer Rus – wiederherstellen. Dieses Streben nach der Wiedervereinigung eines Großreiches ließe Parallelen zum Nationalsozialismus erkennen, so Prof. Dr. Heinemann-Grüder.
Die Pressekonferenz diente vor allem der Verbreitung von guter Stimmung im Inneren. Putin wolle zeigen, dass er die Sorgen der gewöhnlichen Bevölkerung ernst nehme. Durch das gezielte Zulassen von kritischen Fragen solle Kritik an der Unterdrückung von oppositionellen Medien zerstreut werden. Zeitgleich ziele man durch einen geringen Anteil an Fragen zum Thema Ukraine darauf ab, den Eindruck zu erwecken, dass diese im Leben der Russen keine große Rolle spiele – dies sei gezielt gesteuert, so Prof. Dr. Heinemann-Grüder abschließend.