Charrier beschreibt, wie selbst in festgefahrenen Kriegen inoffizielle diplomatische Kanäle entstehen können. Im Mittelpunkt steht dabei ein historisches Beispiel aus dem Ersten Weltkrieg: die geheimen Gespräche zwischen dem deutschen Publizisten Harry Graf Kessler und dem französischen Germanisten Émile Haguenin in der neutralen Schweiz.
Dort trafen sich Diplomaten, Intellektuelle und Vermittler außerhalb offizieller Strukturen – vor allem nachdem der industrielle Abnutzungscharakter des Krieges deutlich wurde. Die Verhandlungen dienten allerdings weniger dazu, sofort Frieden zu schließen, sondern eher dazu, die Positionen der Gegenseite auszuloten, politische Spielräume zu testen und Kommunikationsmöglichkeiten offen zu halten.
Ein zentrales Hindernis blieb jedoch die Frage von Elsass-Lothringen. Für Frankreich war die Rückgewinnung der Region unverzichtbar, während Deutschland keinen Verzicht akzeptieren konnte. Die Verhandlungen scheiterten letztlich an der Intensivierung des Krieges ab 1917. Charrier betont dennoch die Relevanz solcher Verhandlungen: Auch wenn solche Gespräche oft nicht zu konkreten Verhandlungen führen, seien sie dennoch wichtig, weil sie zeigen, dass selbst unter extremen Feindschaften Kommunikationsräume bestehen bleiben können.