26. Mai 2026

Was kann Diplomatie mit dem Iran bewirken? Was kann Diplomatie mit dem Iran bewirken?

Gemeinsam mit der Görres-Gesellschaft hat Ulrich Schlie am Dies Academicus zu einem Vortrag von Botschafter a.D. Hans-Dieter Lucas eingeladen. 

Botschafter a.D. Hans-Dieter Lucas referiert zu der Frage, was Diplomatie mit dem Iran bewirken kann
Botschafter a.D. Hans-Dieter Lucas referiert zu der Frage, was Diplomatie mit dem Iran bewirken kann © Kristine Müller
Alle Bilder in Originalgröße herunterladen Der Abdruck im Zusammenhang mit der Nachricht ist kostenlos, dabei ist der angegebene Bildautor zu nennen.
Bitte füllen Sie dieses Feld mit dem im Platzhalter angegebenen Beispielformat aus.
Die Telefonnummer wird gemäß der DSGVO verarbeitet.

Botschafter a.D. Hans-Dieter Lucas leitete für Deutschland von 2011 bis 2015 die Verhandlungen über das iranische Atomabkommen (JCPOA). Die Gespräche fanden im sogenannten E3+3-Format statt, an dem neben dem Iran auch die USA, China, Russland, Großbritannien, Frankreich und Deutschland beteiligt waren. Während das Abkommen von vielen als eine Sternstunde der Diplomatie gewürdigt wurde, erklärte Donald Trump 2018 den Austritt der USA mit den Worten, es handle sich um „das schlechteste Abkommen, das jemals geschlossen wurde“. Die Beziehungen zwischen dem Iran, den USA und Israel stehen heute beispielhaft für die Spannungsfelder moderner Diplomatie zwischen Verhandlung, Abschreckung und militärischer Eskalation.

In seinem Vortrag „Was kann Diplomatie mit dem Iran bewirken? Von den Verhandlungen über das Nuklearabkommen mit dem Iran zu den amerikanisch-israelischen Kriegen 2025/2026“ widmete sich Lucas vor allem der Frage, welche Handlungsspielräume Diplomatie unter den Bedingungen zunehmender Gewalt noch besitzt. Dabei ging es insbesondere darum, ob diplomatische Prozesse Konflikte nachhaltig entschärfen können oder zunehmend von strategischen und militärischen Interessen verdrängt werden.

Ausgehend von seinen eigenen Erfahrungen schilderte Lucas die langwierigen Verhandlungen und betonte, dass „viel Geduld und starke Nerven“ notwendig gewesen seien, um den Prozess erfolgreich zu bewältigen. Entscheidend für das Zustandekommen des Abkommens seien nicht nur die abgestimmten Positionen der Verhandlungspartner gewesen, sondern auch persönliche Faktoren, die Vertrauen zwischen den Beteiligten geschaffen hätten.

Den Austritt der USA aus dem Abkommen bezeichnete Lucas als „verspielte Chance“ und zugleich als den „traurigsten Tag meiner Laufbahn im Auswärtigen Dienst“. Bis dahin habe der Iran unter permanenter und umfassender Kontrolle der Internationalen Atomenergieagentur gestanden und sich an die Vereinbarungen gehalten. Erst nach dem Rückzug der USA habe der Iran die Urananreicherung wieder aufgenommen und damit gegen das Abkommen verstoßen.

Vor diesem Hintergrund äußerte sich Lucas in der anschließenden Diskussion eher pessimistisch über die Aussichten auf neue Verhandlungen und diplomatische Einigungen. Gleichzeitig warnte er jedoch eindringlich vor den Folgen eines Verzichts auf Diplomatie: „Der letzte Monat hat deutlich gezeigt, welche Folgen der Verzicht auf Diplomatie hat.“ Der erneute Einsatz militärischer Mittel werde nicht zu einer nachhaltigen Lösung führen; vielmehr brauche es auf beiden Seiten den politischen Willen, diplomatische Wege wieder ernsthaft zu verfolgen.

Im Vorfeld des Vortrages hat sich Hans-Dieter Lucas mit Journalisten vom Bonner Generalanzeiger über die Verhandlungen zum Atomabkommen unterhalten. Das Interview gibt es hier zu lesen. 

Dr. Hans-Dieter Lucas ist Senior Fellow am CASSIS. Bis zum Sommer 2025 gehört er dem deutschen Auswärtigen Dienst an.

Prof. Dr. Ulrich Schlie ist Henry-Kissinger-Professor für Sicherheits- und Strategieforschung. 

Wird geladen