Laut Dr. Joachim Weber lasse sich seit Beginn des Krieges ein nachlassender Widerstand der Ukraine beobachten. Dieser Rückgang verlaufe jedoch nicht linear, sondern in Phasen. Gleichwohl sei es bislang nicht gelungen, ein weiteres Vorrücken russischer Truppen vollständig zu verhindern, wenngleich der Vormarsch weiterhin nur sehr langsam erfolge.
Mit Blick auf mögliche Gebietsabtretungen der Ukraine betonte Weber, dass diese maßgeblich von den Sicherheitsgarantien abhingen, die Europa zu leisten bereit sei. Eine Zustimmung Russlands zur Stationierung von NATO-Truppen auf ukrainischem Territorium halte er jedoch für äußerst unwahrscheinlich.
Zugleich stehe die Ukraine vor einer erheblichen zusätzlichen Belastung durch die anhaltenden russischen Angriffe auf die zivile Infrastruktur. Die europäischen Kapazitäten seien weitgehend ausgeschöpft, während ein Ausgleich durch amerikanische Lieferungen mit hohen Kosten verbunden sei. Darüber hinaus gebe es derzeit keine Anzeichen für einen bevorstehenden Kollaps der russischen Wirtschaft. In der Gesamtschau könnten diese Faktoren die Ukraine letztlich zu einem Friedensschluss zwingen, selbst wenn dieser ihren eigenen Interessen zuwiderlaufe.