Eingangs kritisierte er, dass Italien in der europäischen Debatte häufig übersehen werde. Stattdessen würden vor allem Frankreich, Großbritannien und Polen als zentrale Stützpfeiler der Europäischen Union wahrgenommen. Diese Wahrnehmung sei historisch gewachsen und lasse sich unter anderem auf die lange Phase innenpolitischer Instabilität Italiens, die fehlende direkte Nachbarschaft zu Deutschland sowie den Mangel an einer verbindenden „großen Erzählung“ zurückführen, wie sie Deutschland und Frankreich in Form von Erbfeindschaft und anschließender Versöhnung teilen.
Vor diesem Hintergrund begrüßte Lucas die Ankündigung von Giorgia Meloni und Friedrich Merz, die deutsch-italienische Partnerschaft auf eine neue Ebene heben zu wollen. Beide Staaten verfügten über eine große politische Schnittmenge und stünden vor ähnlichen strukturellen Herausforderungen. Gerade diese Gemeinsamkeiten bildeten eine solide Grundlage für eine vertiefte Zusammenarbeit.
Italien habe unter Meloni zudem eine Phase innenpolitischer Stabilität erreicht. Der von vielen befürchtete radikale außen- und europapolitische Kurswechsel sei ausgeblieben. Dies mache Italien zu einem verlässlichen Partner, um Europa handlungsfähiger zu machen und strategisch gegenüber den wachsenden Herausforderungen der Weltpolitik zu positionieren.
Lucas verwies auf konkrete Kooperationsfelder, in denen Deutschland und Italien erheblich profitieren könnten. In der Außenpolitik böten sich insbesondere der Balkan und Nordafrika als gemeinsame Handlungsräume an. Auch in der Rüstungspolitik gebe es bereits erfolgreiche Ansätze, etwa durch die Zusammenarbeit von Rheinmetall und Leonardo. Darüber hinaus eröffne der Bereich der Raumfahrt weiteres strategisches Potenzial.
Abschließend plädierte Dr. Hans-Dieter Lucas dafür, Italien stärker in den Kreis der europäischen Kernstaaten einzubinden. Eine engere deutsch-italienische Achse könne dazu beitragen, die europäische Integration zu vertiefen und der Europäischen Union größere strategische Kohärenz und Durchsetzungsfähigkeit zu verleihen.