Die Lage in der Straße von Hormus sei weiterhin äußerst fragil. Trotz erster Verhandlungserfolge könne es jederzeit erneut zu Kampfhandlungen kommen. Vor diesem Hintergrund erscheine eine sichere Passage der Meerenge für die zivile Schifffahrt nach wie vor kaum vorstellbar. Auch der Einsatz europäischer Marineschiffe sei derzeit mit erheblichen Risiken verbunden.
Mit Blick auf die Ukraine zeigten sich in der Seekriegsführung ähnliche Entwicklungen wie an Land: Drohnen und Satelliten lieferten deutlich mehr Überwachungsdaten, die mithilfe von KI-Systemen immer schneller ausgewertet würden und teilweise bereits automatisierte Entscheidungen ermöglichten. Zugleich habe sich gezeigt, dass auch auf See kostspielige Großsysteme wie Kriegsschiffe durch vergleichsweise günstige Wirkmittel, etwa Drohnen, wirksam bekämpft werden können. So sei es der Ukraine gelungen, die Operationsfähigkeit der russischen Marine im Schwarzen Meer erheblich einzuschränken.
Auch die russische Schattenflotte war Gegenstand der Diskussion. Es sei aus Sicht von Brake legitim, wenn Staaten wie Großbritannien oder Frankreich russische Schiffe mit zweifelhaftem Flaggenstatus, die möglicherweise zur Umgehung von Sanktionen eingesetzt würden, enterten und kontrollierten. Aus seerechtlicher Perspektive bestehe hier durchaus noch weiterer Handlungsspielraum. Deutschland könne beispielsweise seine strafrechtlichen Regelungen verschärfen, um Verstöße von Schiffen der Schattenflotte wirksamer zu ahnden.