Angesichts steigender Umfragewerte für Marine Le Pen vor der französischen Präsidentschaftswahl 2027 werden in Deutschland zunehmend Sorgen über ein Zerfallen des Deutsch-Französischen Motors und letztlich der Europäischen Union größer, um sich gegen eine Machtübernahme des Rassemblement National abzusichern, wird von einigen Stellen ein "De-Risking" gegenüber Frankreich gefordert. Dieser Position wird jedoch entgegengehalten, dass ein Wahlsieg Le Pens zwar erhebliche Verwerfungen mit sich brächte, jedoch nicht zwangsläufig zu einem Bruch mit der EU führen müsse. Landry Charrier erklärt, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.
Zwei wichtige Punkte werden angeführt: Zum einen begrenze die hohe französische Staatsverschuldung den finanziellen Spielraum für einen dauerhaften Konfliktkurs gegenüber Brüssel, da ein aggressiver Kurs an den Finanzmärkten mit steigenden Zinsen sanktioniert werden könnte – belegt durch den jüngsten mehrjährigen Höchststand der Renditen zehnjähriger französischer Staatsanleihen. Zum anderen schränke die Fragmentierung der Nationalversammlung den Handlungsspielraum einer möglichen Präsidentin Le Pen ein. Selbst nach Neuwahlen sei eine absolute Mehrheit keineswegs sicher. Im Falle einer sogenannten "Kohabitation", wenn Exekutive und Legislative von unterschiedlichen politischen Kräften dominiert wären, kämen zusätzliche verfassungsrechtliche Unsicherheiten hinzu, da die Kompetenzverteilung im außen- und verteidigungspolitischen Bereich nicht eindeutig geregelt sei.
Zugleich richtet sich der Blick auf Deutschland selbst: Die Bundesrepublik setze ihre gewachsene militärische und finanzielle Stärke bislang eher national statt europäisch ein, so Charrier. Dieser Umstand würde in Paris und anderen europäischen Hauptstädten mit Sorge beobachtet, zumal sich die USA zunehmend aus ihrer Führungsrolle in Europa zurückziehen. Auch ein möglicher AfD-Erfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird als Signal wachsender politischer Unberechenbarkeit Deutschlands gewertet.
Als Fazit steht die These, dass „De-Risking“ zwar kurzfristig Sicherheit suggeriere, angesichts eines sich abzeichnenden europäischen Machtvakuums jedoch verstärkte gegenseitige Abhängigkeit die tragfähigere Absicherung darstellen könnte.