Es sei eine Normalität, dass sich das internationale Recht den jeweiligen Machtverhältnissen anpasse. Gleichzeitig stelle dies jedoch eine Herausforderung dar, da Gefährdungen kritischer Infrastruktur im All erhebliche Eskalationspotenziale bergen. Die gegenwärtige Situation biete dennoch auch Chancen: Eine stärkere rechtliche Regulierung des Weltraums könne die Kommerzialisierung fördern und damit langfristig zu mehr Stabilität beitragen.
Das Kernproblem von Sicherheitszonen im Weltraum bestehe darin, dass eine Territorialisierung dort völkerrechtlich nicht möglich sei. Zwar sei das Interesse von Staaten nachvollziehbar, die Umgebung ihrer wertvollen Weltrauminfrastruktur zu schützen, doch könne dies nur durch internationale Aushandlungsprozesse sowie verbindliche Verhaltensregeln erreicht werden. Europa müsse sich daher in internationalen Organisationen aktiv für die Schaffung belastbarer Regime einsetzen. Um dort wirksam Einfluss ausüben zu können, benötige Europa jedoch eigene Fähigkeiten und Präsenz im All und müsse zugleich bereit sein, auch mit Staaten wie Russland oder China Kompromisse und Vereinbarungen zu erzielen.
Ein wesentliches Hindernis sei die sogenannte „Weltraumblindheit“. In Deutschland beschäftigten sich bislang nur wenige Professuren der Rechts-, Wirtschafts- oder Politikwissenschaft systematisch mit weltraumbezogenen Fragestellungen. Der Ausbau von Forschung und Lehre in diesem Bereich sei jedoch essenziell, um die bestehende akademische Lücke zu schließen und die notwendige Expertise für künftige Herausforderungen aufzubauen und auch die Bevölkerung für die Rolle von kritischer Weltrauminfrastruktur zu sensibilisieren.
Darüber hinaus sei der Aufbau eigener Offensivfähigkeiten sowie eine transparente Kommunikation über deren mögliche Anwendung von Bedeutung. Nur wer glaubwürdig über entsprechende Fähigkeiten verfüge, werde von anderen Akteuren ernst genommen und könne durch Abschreckung zur Stabilität beitragen.