Im Zentrum seiner Betrachtung steht die Erkenntnis, dass Europa unabhängiger von den Vereinigten Staaten werden müsse. Spätestens seit der Rede von JD Vance auf der Münchener Sicherheitskonferenz im vergangenen Jahr sei deutlich geworden, dass die USA sich zunehmend von den gemeinsamen Werten verabschieden. Dieser Eindruck habe sich durch die jüngste Zollpolitik, den 28-Punkteplan und die amerikanische Sicherheitsstrategie weiter verstärkt. Auch die Grönland-Krise habe tiefe Risse in der transatlantischen Partnerschaft offenbart: Zwar habe man sich in der Sache einigen können, der Vertrauensverlust sei jedoch erheblich.
Lucas weist darauf hin, dass diese Entwicklung auch Putin in seiner Strategie bestärke, abzuwarten, bis sich die NATO möglicherweise selbst aushölt. Zugleich habe die Grönland-Krise jedoch gezeigt, dass ein geeintes und entschlossenes Europa sich gegenüber den USA zur Wehr setzen könne. Für Europa ergeben sich daraus nach Lucas zwei zentrale Herausforderungen: Zum einen die fortgesetzte Unterstützung der Ukraine, zum anderen die Sicherung des Zusammenhalts der NATO, die weiterhin ein zentraler Pfeiler der europäischen Sicherheit bleibe – insbesondere angesichts der fortbestehenden Abhängigkeit von der nuklearen Abschreckung der Vereinigten Staaten.
Abschließend formuliert Lucas konkrete Handlungsempfehlungen für Europa. Ein selbstständigeres Vorgehen sei dringend erforderlich, vor allem im Bereich der Verteidigung des eigenen Territoriums, da die Amerikaner sich zunehmend aus Europa zurückzögen. Zudem gelte es zu verhindern, dass Russland und die USA einen Friedensschluss in der Ukraine aushandelten, der zu Lasten der Ukraine und Europas gehe. Europa müsse sich proaktiv einbringen und seine roten Linien klar definieren.
Am Ende betonte Lucas, dass Europa keineswegs machtlos sei. Der Schlüssel liege in einem geschlossenen und verlässlichen Auftreten, das die strategische Handlungsfähigkeit des Kontinents langfristig sicherstelle.