Mayer und Godehardt argumentieren, dass sich die Chinapolitik der EU zunehmend in einer strategischen Sackgasse befände: Die EU verfüge mittlerweile zwar über Instrumente, um wirtschaftliche Abhängigkeiten zu verringern und die eigene Resilienz zu stärken, oft seien die Maßnahmen aber verspätet oder unzureichend. Zudem fehle in Brüssel eine langfristige politische Strategie gegenüber der Volksrepublik.
Darüber hinaus seien die Beziehungen zunehmend von Krisenmanagement und kurzfristigen Reaktionen geprägt. Beide Seiten hätten verlernt, eine gemeinsame politische Sprache zu finden, wodurch Missverständnisse und gegenseitige Frustrationen zunähmen. Vor allem die EU unterschätze dabei die Bedeutung von Symbolik und öffentlicher Kommunikation in der chinesischen Außenpolitik. China lege großen Wert auf positive Visionen für die Zukunft, gegenseitigen Respekt und die symbolische Wertschätzung der Beziehungen.Europa solle daher zwischen einer sachlich-harten Interessenvertretung hinter verschlossenen Türen und einer konstruktiveren öffentlichen Rhetorik unterscheiden
Abschließend sei eine neue strategische Erzählung der EU gegenüber China notwendig. Mayer und Godehardt schlagen vor, einen langfristigen politischen und wirtschaftlichen Dialog zu etablieren, etwa durch die Prüfung eines neuen Verhandlungsrahmens für ein Freihandelsabkommen. Ohne eine solche positive Zukunftsvision und einen diplomatischen Neustart drohten die Beziehungen zwischen der EU und China weiter zu erodieren und die europäische De-Risking-Strategie an Wirksamkeit zu verlieren.